Ludwig Lang

Bad Kissingen, 18.4.1945:

Hans Lang

Mit nachfolgenden Aufzeichnungen soll ein Vorhaben in die Tat umgesetzt werden, das unter normalen Verhältnissen trotz guten Willens nie zustande gekommen wäre, besonders wegen Mangel an Zeit und anderen wichtigeren Aufgaben.

All das ist plötzlich ohne mein Zutun beseitigt; der Hauptgrund, mein Verweilen in der Kriegsgefangenschaft.

Ich will nun versuchen, so gut ich es in Erinnerung habe, aus dem Erzählen meiner Eltern, aus meinen persönlichen Jugenderlebnissen und meinem späteren Leben, für meine Nachkommen ein Bild aufzuzeichnen, in dem sich der Auf- und Niedergang der Familie Lang darstellt. Genaue Aufzeichnungen über Geburts- und Sterbedaten sind im Anhang nachzuschlagen.

Mit der väterlichen Linie mache ich den Anfang.

Von den Großeltern weiß ich, dass beide in Röttingen als einfache Häckersleute gelebt haben. Die Wohnung und der Besitz war ein Hinterhaus am Kirchplatz. Der Familienstand war fünf Kinder: vier Jungen und ein Mädchen.

Durch großen Fleiß, Sparsamkeit und ein Leben unter den einfachsten Lebensbedürfnissen waren beide Großeltern in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der Lage, ihre Verhältnisse bedeutend zu verbessern.

Durch Kauf erwarben sie das Grundstück mit Haus in der Taubergasse mit dazugehörigem Hof, Stall, Scheune, Garten und einigen Feldern. Im Laufe der Jahre wurde dann so manches Grundstück zu gekauft.

Die Kinder wurden älter. Zwei Söhne blieben zu Hause zur Arbeit, ein Sohn versuchte sein Glück in der Neuen Welt als Leineweber. Der vierte Junge, L u d w i g, mein Vater, erlernte bei einem Onkel in Röttingen das Bäckerhandwerk. Nachdem Vater ausgelernt hatte, ging er in die Fremde, um andere Menschen und andere Arbeitsweisen kennen zu lernen. Unter anderem landete er auch in Amerika, Pittsburg. Der Bruder, der schon dort war, hatte es zu Wohlstand gebracht.

 

Ludwig Lang hatte weniger Glück. Nach längerer Arbeitslosigkeit, in der er seine Spargelder verbraucht hatte, fuhr er als Kohlentrimmer (Freifahrt) wieder in die alte Heimat. Dort hatte sich manches verändert. Die Großeltern waren in den hohen siebziger Jahren und konnten ihrem Anwesen nicht mehr vorstehen. Die zwei Brüder übernahmen den Hof. Der älteste, Josef, suchte sich eine Lebensgefährtin, die er in Markelsheim, Württemberg, fand. Als Frau zog so eine geborene Margareta Kümmelmann in Röttingen ein.

 

Damit wurde auch für Ludwig Lang die Heimat, das Vaterhaus, aufgelöst, sodass er sich nach einem eigenen Herd umschauen musste.

Im Jahre 1891 gelang es ihm, in Röttingen die Bäckerei, Robert Lang am Kirchplatz käuflich zu erwerben. Zur Bäckerei gehörte das geräumige Wohnhaus, ein Garten, die Stallung mit aufgebautem Heustadel und die Scheune. Der Kaufpreis 8. 500 M wurde mit 5000 Mark Erbteil und der Rest durch aufgenommenes Darlehen gedeckt.

Als Junggeselle aber war es nicht lange möglich, ein Geschäft zum Vorteil zu führen. Bald musste auch er sich auf Brautschau begeben. In seinem Bruder ein gutes Beispiel sehend, ging auch er nach Markelsheim, um die Schwester seiner Schwägerin, eine Regina Kümmelmann, zu freien. Bei nicht langer Brautzeit war im Juli 1892 Hochzeit und gleichzeitig Übersiedlung nach Röttingen. Mit Fleiß und Umsicht widmete man sich dem Aufbau des jungen Haushalts und Geschäfts.

 

Nach einem Jahr ungestörten Lebensablaufs war Freude über die Geburt des ersten Jungen, des Schreibers selbst, im Haus. Nicht lange währte dieses Glück; Trauer und Unglück zogen auf.

Im Spätjahr des Jahres 1895 starb der Großvater Andreas Lang. Am Tage seiner Beerdigung folgte ihm Großmutter in die Ewigkeit nach. Wenn sie auch alt waren, so war es doch ein recht schmerzlicher Verlust.

Ein Verlust kommt selten allein; so auch hier. Zwischen den beiden Todestagen brannte die Scheune bis auf die Grundmauern nieder. Die Entstehung des Brandes blieb ungeklärt. Durch Beihilfe der Brandversicherung wurde die Scheune im nächsten Jahr wieder neu aufgebaut. Weiter ging der Alltag mit Pflichten und Sorgen ohne besondere Zwischenfälle. Das Geschäft machte gute Fortschritte. Mit einem Lehrling, teilweise einem jungen Gesellen, hatte Vater seine volle Beschäftigung. Seine Arbeitszeit erstreckte sich von Abend 11 Uhr bis 12 Uhr nächsten Tag. Im Sommer gab es dann noch einige Stunden Arbeit auf den Feldern, die durch Erbteil oder Kauf vorhanden waren. Die Familie vergrößerte sich auch im Laufe der Jahre durch 5 Brüder und 2 Schwestern:

Hans Lang                   22.5.1893

Magdalena Lang        12.5.1895

Josef Lang                   15.8.1896

Kilian Lang                 24.9.1898

Maria Lang                 14.8.1900

Karl Lang                    25.6.1905

Nach der Geburt meiner ersten Schwester bekam meine Mutter offene Füße, die ihr Zeit ihres Lebens bei Anstrengungen große Schmerzen bereiteten und ihre Tätigkeit öfters stark behinderten.

Hier möchte ich nun meinen Bericht von den Großeltern, den Eltern väterlicherseits, wie ich es teilweise erzählt bekam, auch selbst erlebte, beenden und kurz großmütterlicherseits das Werden der Familie schildern.

 

Großvater Valentin Kimmelmann, verheiratet mit Hofmann, war in Markelsheim als Häcker beheimatet. Der Ehe- und Lebensgemeinschaft waren vier Kinder beschieden.

Klein und armselig  musste gewirtschaftet werden; nur so machte sich im Laufe der Jahre ein gewisser Wohlstand geltend.

 

Das alte, baufällige Häckerhäuschen wurde abgebrochen und durch ein neues, schönes Wohnhaus mit Stall und Scheune ersetzt. Wie oft erzählte Mutter von schweren Steine graben und an Ort- und Stelle- schleppen. Auch hier, bei gemeinsamer Arbeit wurden die Kinder größer und selbständig.

Der Älteste, Johann Kimmelmann. übernahm das Anwesen, die zwei nachfolgenden Töchter verheirateten sich nach Röttingen, die Jüngste machte im Dorf ihre Lebensaufgabe auch durch Heirat. Im hohen Alter starb der Großvater hinter dem Pflug. Er wurde80 Jahre alt.

 

Die Biografie von Ludwig Lang ist in drei Bänden im Eigenverlag erschienen und kann entweder als book on demand oder in Druckform erworben werden.

 

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